Das internationale „Suhrkamp-Forschungskolleg“ (2012-2016, gefördert durch die VolkswagenStiftung) wurde vom Deutschen Literaturarchiv Marbach in Kooperation mit universitären Partnern entwickelt und leistete auf Grundlage der einzigartigen Bestände einen entscheidenden Beitrag zur Erforschung der Literatur- und Intellektuellengeschichte der Bundesrepublik in einem globalen Kontext.

Der Zusammenschluss des Archivs mit den Universitäten Konstanz, Stuttgart, Tübingen und Potsdam sowie der Humboldt-Universität zu Berlin und der University of Pennsylvania, Philadelphia, vernetzte archivarische und universitäre Forschung im internationalen Rahmen und beschritt mit dieser bislang einzigartigen Partnerschaft neues Terrain für die geisteswissenschaftliche Forschung.

In insgesamt sechs Forschungsmodulen erhielten die Doktorandinnen und Doktoranden eine Ausbildung in einem internationalen und interdisziplinären Forschungsumfeld. Die Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler wurden kooperativ durch die Hochschullehrer und die Wissenschaftler des Archivs betreut und waren in ein umfangreiches Workshop- und Tagungsprogramm eingebunden. Neben der wissenschaftlichen Ausbildung ermöglichte die Anbindung an das Deutsche Literaturarchiv Marbach als Forschungs-, Sammlungs- und Ausstellungsinstitution einen berufsfeldbezogenen Praxisbezug. Begleitet wurde das Kolleg durch einen Wissenschaftlichen Beirat.

Tobias Amslinger

Verlagsautorschaft. Enzensberger und Suhrkamp

Kurzbeschreibung

Hans Magnus Enzensberger debütierte im Jahr 1957 mit seinem Gedichtband „verteidigung der wölfe“ bei Suhrkamp. Seitdem prägte er als Autor, aber auch als Lektor, Herausgeber, Scout und Übersetzer das Programm des Verlags über Jahrzehnte. Die Arbeit rekonstruiert die verschiedenen literaturbetrieblichen Rollen, die der Verlagsautor Enzensberger bei Suhrkamp einnimmt und untersucht diese in ihren Wechselwirkungen. Der praxeologische Ansatz erlaubt eine Neukonturierung des Konzepts der Autorschaft aus der Perspektive eines Verlags. Die Dissertation erscheint 2018 bei Wallstein.

Biografie

Tobias Amslinger, geboren 1985 in Stuttgart, studierte Literarisches Schreiben und Philosophie an der Universität Leipzig sowie Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Freien Universität Berlin. Von 2012 bis 2016 war er Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Humboldt-Universität zu Berlin und Doktorand im Suhrkamp-Forschungskolleg. Seit September 2016 leitet er das Max Frisch-Archiv an der ETH-Bibliothek. Er ist Mitglied der Literaturkommission der Stadt Zürich.

Verwendete Archivbestände
Publikationen (Auswahl)

2014. suhrkamp wissen. Anatomie einer gescheiterten Reihe. In: Zeitschrift für Ideengeschichte VIII/1 (2014), S. 118–126. (mit Marja-Christine Grüne, Anke Jaspers, Morten Paul, Charlotte Weyrauch und Claudia Zilk)

2015. Mythos und Magazin. Das Siegfried Unseld Archiv als literaturwissenschaftlicher Forschungsgegenstand. In: Irmgard M. Wirtz / Ulrich Weber / Magnus Wieland (Hg.): Literatur – Verlag – Archiv, Göttingen: Wallstein 2015, S. 185–215. (mit Marja-Christine Grüne und Anke Jaspers)

2015. Der Wert des Originals (Interdisziplinäre Tagung in Marbach v. 5.-6.3.2015). In: Zeitschrift für Germanistik 3 (2015), S. 647–649.

2015. Vorläufige Lebenswerke. Zur Publikationspraxis von Ulrich Holbein. In: Nikolas Buck (Hg.): Ulrich Holbein. Sein Werk zwischen Avantgarde und Archivierung, Bern u. a.: Peter Lang 2015, S. 125–136.

2017. Mit der Nase im Wind der Avantgarden. Als einflussreicher Drahtzieher brachte Hans Magnus Enzensberger den Zeitgenossen die Literaturen der Welt näher. In: Neue Zürcher Zeitung, 17.6.2017, S. 51.

2017. Angelika Königseder, Walter de Gruyter. Ein Wissenschaftsverlag im Nationalsozialismus, Tübingen: Mohr Siebeck 2016. In: Geschichte der Germanistik 51/52 (2017), S. 182.

2018. Roman Léandre Schmidt: Lettre internationale. Geschichte einer europäischen Zeitschrift, Paderborn: Wilhelm Fink, 2017. In: Zeitschrift für deutsche Philologie 137 (2018), Nr. 2. S. 322–325.

2018. Editorial. In: IASL 43 (2018), Nr. 1, S. 90–107. (mit Katharina Einert, Anke Jaspers, Claudia Michalski und Morten Paul)

2018. »Leben mit einer Dünndruckausgabe?«. Max Frischs »Gesammelte Werke in zeitlicher Folge« bei Suhrkamp. In: IASL 43 (2018), Nr. 1. S. 108–126.

2018. Max Frischs Roman „Homo faber“ in der Backlist des Suhrkamp Verlags – zur Geschichte eines Longsellers. In: Text+Kritik (2018) (im Druck).

2018. Verlagsautorschaft. Enzensberger und Suhrkamp, Göttingen: Wallstein 2018 (im Druck).

Katharina Einert

Die Übersetzung eines Kontinentes. Die lateinamerikanischen Literaturen im Suhrkamp Verlag – Bewertungsstrategien, Auswahlmechanismen, Übersetzungs- und Vermittlungsprobleme

Kurzbeschreibung

Katharina Einert hat sich in ihrer Dissertation Die Übersetzung eines Kontinentes mit den Übersetzungen der lateinamerikanischen Literaturen im Suhrkamp Verlag beschäftigt. Darin verbindet sie zwei große Fragestellungen miteinander: Wie wurden zum einen in den 1960er und 70er Jahren lateinamerikanische Literaturen nach Deutschland übersetzt und wie setzten sie über? Welche Probleme, Missverständnisse und Strategien gab es dabei? Darüber hinaus fragt sie nach den Auswahlkriterien und -strategien des Suhrkamp Verlags. Wie wurde über Werke entschieden, die nur von den wenigsten gelesen werden konnten? Ein Ausgangspunkt ihrer Untersuchung ist die Tatsache, dass es ausschließlich um übersetzte oder zu übersetzende Literaturen ging und in vielen Fällen die Beurteilung der Texte ausgehend von übersetzten Texten oder aber vermittelten Bewertungen gemacht wurde. Die Kontexte in Ausgangs- und Zielkultur wurden oft zu wenig oder nur unzulänglich berücksichtigt, was zu Missverständnissen und Vermittlungsproblemen führte. Eine besondere Rolle für die Gestaltung des Lateinamerika-Programms nahmen deshalb Vermittlerfiguren ein, die – geprägt von ihrem eigenen spezifischen Netzwerk, aus dem heraus sie agierten – das Programm unterschiedlich beeinflusst haben.

Biografie

Katharina Einert, 1981 in Berlin geboren, studierte Hispanistik, Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft und Italianistik in Potsdam und Barcelona. Von 2011 bis 2016 promovierte sie an der Universität Potsdam und der Universität Köln (Prof. Dr. Gesine Müller) und war kooptiertes Mitglied des Suhrkamp-Forschungskollegs. 2015 Förderung durch das Wiedereinstiegsprogramm für Frauen der Universität zu Köln (DFG-Exzellenzinitiative „Re-entry grants“). Von 2015 bis 2016 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Romanischen Seminar der Europa-Universität Flensburg. Seit 2017 arbeitet sie in der Philologischen Abteilung des Erich Schmidt Verlags.

Publikationen (Auswahl)

2013. Tagungsbericht zur Konferenz ‚Verlag Macht Weltliteratur: Lateinamerikanisch-deutsche Kulturtransfers zwischen internationalem Literaturbetrieb und Übersetzungspolitik‘ (04.–07. März 2013 Deutsches Literaturarchiv Marbach). In: Romanistische Zeitschrift für Literaturgeschichte 37 (2013), 3, S. 477–486.

2015. Chronik einer angekündigten Entdeckung: Die Frankfurter Buchmesse 1976. – Ein Rückblick mit Archivalien aus dem Lateinamerikabestand des Siegfried Unseld Archivs. In: Bosshard, Marco Thomas (Hg.): Buchmarkt, Buchindustrie und Buchmessen zwischen Deutschland, Spanien und Lateinamerika. Berlin: Lit-Verlag 2015, S. 161–191.

2015. América Latina y la literatura mundial. „17 autores escriben la novela del continente latinoamericano“ o: La doble ficcionalización de América Latina y sus literaturas. In: Gesine Müller/Dunia Gras (Hg.): América Latina y la literatura mundial: mercado editorial, redes globales y la invención de un continente. Madrid, Frankfurt: Iberoamericana – Vervuert 2015, S. 223–240.

2016. „Alles, was Grenzen überwindet liegt mir nah. Alles, was Grenzen schafft liegt mir fern.“ – Gespräch mit Michi Strausfeld. In: Jürgen Mecke/Hubert Pöppel (Hg.): Entre dos aguas. Kulturvermittler zwischen Spanien und Deutschland. Berlin: Walter Frey 2016, S. 199–213.

2018. Editorial. In: IASL 43 (2018), Nr. 1. (in Vorbereitung) (mit Tobias Amslinger, Anke Jaspers, Claudia Michalski und Morten Paul)

2018. „17 Autoren schreiben am Roman des lateinamerikanischen Kontinents“.
Die Fiktionalisierung Lateinamerikas und seiner Literaturen. In: IASL 43 (2018), Nr. 1. (in Vorbereitung)

2018. Die Übersetzung eines Kontinents. Die Anfänge des Lateinamerika-Programms im Suhrkamp Verlag. Berlin: edition tranvía – Verlag Walter Frey.

Anke Jaspers

Suhrkamp und DDR.
Verlagspraxis im geteilten Deutschland

Kurzbeschreibung

Gegenstand der Untersuchung ist das Verhältnis des Suhrkamp Verlags zu Autorinnen und Autoren der DDR und ihren Werken vor dem Hintergrund poetologischer und politischer Ideen und Entwicklungen in der Bundesrepublik, die sich vermittelt über die Verlagspraxis auf die deutsch-deutschen Beziehungen und die Wahrnehmung von Literatur der DDR ausgewirkt haben. Die Arbeit beschäftigt sich deshalb zum einen mit dem vielfältigen Beziehungsgeflecht, das aus Verlagsperspektive eine alternative Periodisierung und Perspektivierung von Literaturgeschichte in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ermöglicht. Szenen dieser Beziehungsgeschichte veranschaulichen, wie der Suhrkamp Verlag in einem Spannungsverhältnis von kulturellen, ökonomischen, ethischen, politischen, gesellschaftlichen und sozialen Faktoren navigierte. Im Zentrum der Studie stehen zum anderen Formen und Funktionen verschiedener Verlagspraktiken – von der Textauswahl für das Verlagsprogramm, über die Ausgabengestaltung bis zur Vermarktung der Werke.

Ziel der Untersuchung ist neben der historischen Rekonstruktion, die Rolle des Verlags bzw. die Gemeinschaft von Verlag und Autorin oder Autor bei der Rezeption und Produktion von literarischen Werken zu skizzieren und damit auf das Potential von Verlags(archiv)forschung für literaturgeschichtliche und literaturwissenschaftliche Fragestellungen zu verweisen. Eine besondere Aufmerksamkeit liegt in der Untersuchung auf Parallelausgaben im geteilten Deutschland und ihrer produktions- und rezeptionsästhetischen Bedeutung. Das Verlagsarchiv erweist sich dabei als ein Ort, an dem sich Prozesse und Praktiken der Rezeption und Produktion beobachten lassen. Der Fokus der Untersuchung liegt insofern nicht auf den literarischen Texten, sondern deren Paratextualität, für deren Gestaltung die Produktionsgemeinschaft von Verlag und Autor bzw. Autorin verantwortlich zeichnet.

Biografie

Anke Jaspers, geboren 1984 in Berlin, studierte Deutsche Philologie, Mittlere und Neuere Geschichte, Politik-, Medien- und Kommunikationswissenschaft in Göttingen und Lausanne. Von 2010 bis 2012 war sie DAAD-Sprachassistentin und Lektorin an der German-Jordanian University in Amman. Von 2012 bis 2016 promovierte sie im Suhrkamp-Forschungskolleg und war Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Humboldt-Universität zu Berlin. Sie ist seit 2016 Koordinatorin des Forschungsnetzwerks „Literatur im geteilten Deutschland“ und Mitglied des Arbeitskreises „Kulturwissenschaftliche Zeitschriftenforschung“. Seit 2017 ist sie Wissenschaftliche Assistentin an der Professur für Literatur- und Kulturwissenschaft der ETH Zürich.

Verwendete Archivbestände
Publikationen (Auswahl)

Publikationen im Kontext des Suhrkamp-Forschungskollegs

2013. DDR-Literatur – eine Archivexpedition. 1. Teil: Nach Drüben! Überläufer und Diversanten (Tagung in Marbach v. 13.–14.12.2012). In: Zeitschrift für Germanistik XXIII (2013), 3, S. 672–674.

2014. suhrkamp wissen. Anatomie einer gescheiterten Reihe. In: Zeitschrift für Ideengeschichte VIII/1 (2014), S. 118–126. (mit Tobias Amslinger, Marja-Christine Grüne, Morten Paul, Charlotte Weyrauch und Claudia Zilk)

2014. Christina Lembrecht: Bücher für alle. Die UNESCO und die weltweite Förderung des Buches 1946–1982. In: Zeitschrift für Germanistik XXIV (2014), 3, S. 683f.

2015. Mythos und Magazin. Das Siegfried Unseld Archiv als literaturwissenschaftlicher Forschungsgegenstand. In: Irmgard M. Wirtz / Ulrich Weber / Magnus Wieland (Hg.): Literatur – Verlag – Archiv, Göttingen: Wallstein 2015, S. 185–215. (mit Tobias Amslinger und Marja-Christine Grüne)

2017. Autorschaft und Bibliothek. Sammlungsstrategien und Schreibverfahren (Internationale und interdisziplinäre Tagung in Weimar v. 8.–10.11.2016). In: Zeitschrift für Germanistik XVII (2017), 2, S. 383–385.

2018. »Ich male stets vor mich hin und dichte Verschen«. Ein Kommentar zu Sarah Kirschs Tagebuch 1964-66. In: Roland Berbig (Hg.): Auslaufmodell »DDR-Literatur«. Essays und Dokumente. Berlin: Ch. Links 2018, S. 355–367.

2018. Ein kleines rotes Buch. Die Mao-Bibel und die Bücher-Revolution der Sechzigerjahre. Berlin: Matthes & Seitz 2018. (Herausgeberschaft mit Claudia Michalski und Morten Paul)

2018. Wegweiser und Waffe. Gebrauchsweisen eines Buchs. In: dies. (Hg.): Ein kleines rotes Buch. Die Mao-Bibel und die Bücher-Revolution der Sechzigerjahre. Berlin: Matthes & Seitz 2018, S.7–64. (mit Claudia Michalski und Morten Paul)

2018. Daniel Leese: Ein einziger Funke. Übersetzt von Jaspers, Anke / Michalski, Claudia / Paul, Morten. In: Anke Jaspers / Claudia Michalski / Morten Paul (Hg.): Ein kleines rotes Buch. Die Mao-Bibel und die Bücher-Revolution der Sechzigerjahre. Berlin: Matthes & Seitz 2018, , S. 65–98.

2018. Editorial. In: IASL 43 (2018), Nr. 1. S. 90–107. (mit Tobias Amslinger, Katharina Einert, Claudia Michalski und Morten Paul)

2018. Ausgabenpolitik. Verlagspraktiken im geteilten Deutschland am Beispiel von Angela Krauß, Volker Braun und Uwe Kolbe. In: IASL 43 (2018), Nr. 1, S. 151–180.

Claudia Michalski

Die edition suhrkamp. Geschichte, Texte und Kontexte

Kurzbeschreibung

Die Arbeit beleuchtet Programmatik und Konzeption der bekannten Buchreihe edition suhrkamp von der Planung bis zur Veröffentlichung der Neuen Folge im Jahr 1980. Dabei werden anhand von unveröffentlichtem Archivmaterial unbekannte Aspekte und kontingente Einflussfaktoren ebenso sichtbar wie planvolle Einflussnahmen. Die edition suhrkamp wird anhand von genaueren Untersuchungen anderer Reihen des Suhrkamp Verlags (suhrkamp taschenbücher, suhrkamp taschenbücher wissenschaft) sowie konkurrierender Reihen anderer Verlage (Sammlung Luchterhand, Reihe Hanser) in ihrer Spezifik klar profiliert und in ihrer Zusammensetzung aus Bänden verschiedenster Bereiche (Theorie, Literatur, Wissenschaft) genau untersucht. Dabei wird ein eigenes Wissenschafts- wie Literaturverständnis der Reihe sichtbar und anhand konkreter Texte dargestellt. Untersuchungen zur äußeren Form der Reihe als Regenbogen im Taschenbuchformat sowie zu AutorInnen und zum Lesepublikum ergänzen die Untersuchungen. Ein kurzes Kapitel zum in dieser Zeit entstehenden ‚Mythos‘ der Reihe geht zudem auf die Außenwahrnehmung und -darstellung ein.

Biografie

Claudia Michalski, 1981 in Georgsmarienhütte geboren, hat am Deutschen Seminar der Eberhard Karls Universität Tübingen über die Reihe edition suhrkamp promoviert. Sie studierte Germanistik, Geschichte und Philosophie in Tübingen und Dublin.

Publikationen (Auswahl)

2013. Disziplinenentstehung – Disziplinenkonfiguration: Germanistik 1750–1920 (Konferenz v. 4.–6.10.2012 in Marbach). In: Zeitschrift für Germanistik 2 (2013), S. 413–416.

2014. suhrkamp wissen. Anatomie einer gescheiterten Reihe. In: Zeitschrift für Ideengeschichte VIII/1 (2014), S. 118–126. (mit Tobias Amslinger, Marja-Christine Grüne, Anke Jaspers, Morten Paul und Charlotte Weyrauch)

2015. Aufklärung und Kritik. Die ‚edition suhrkamp‘ und das geisteswissenschaftliche Taschenbuch. In: Kodex. Jahrbuch der Internationalen Buchwissenschaftlichen Gesellschaft 5 (2015), S. 21–36.

2018. Ein kleines rotes Buch. Die Mao-Bibel und die Bücher-Revolution der Sechzigerjahre. Berlin: Matthes & Seitz 2018. (Herausgeberschaft mit Anke Jaspers und Morten Paul)

2018. Wegweiser und Waffe. Gebrauchsweisen eines Buchs. In: dies. (Hg.): Ein kleines rotes Buch. Die Mao-Bibel und die Bücher-Revolution der Sechzigerjahre. Berlin: Matthes & Seitz 2018. (mit Anke Jaspers und Morten Paul)

2018. Daniel Leese: Ein einziger Funke. Übersetzt von Jaspers, Anke / Michalski, Claudia / Paul, Morten. In: Anke Jaspers / Claudia Michalski / Morten Paul (Hg.): Ein kleines rotes Buch. Die Mao-Bibel und die Bücher-Revolution der Sechzigerjahre. Berlin: Matthes & Seitz 2018.

2018. Editorial. In: IASL 43 (2018), Nr. 1. (in Vorbereitung) (mit Tobias Amslinger, Katharina Einert, Anke Jaspers und Morten Paul)

2018. Die edition suhrkamp. Reihe und Regenbogen. In: IASL 43 (2018), Nr. 1. (in Vorbereitung)

Morten Paul

Theorie. Eine Buchreihe im philosophischen Nachkrieg

Kurzbeschreibung

Gegenstand des Promotionsvorhabens ist die Untersuchung der Buchreihe Theorie des Suhrkamp Verlags vor dem Hintergrund der Herausbildung eines postphilosophischen geisteswissenschaftlichen Paradigmas in der Bundesrepublik Deutschland, das ab Mitte der siebziger Jahre mit dem Kollektivsingular Theorie bezeichnet wird und sukzessive in allen geistes- und sozialwissenschaftliche Disziplinen zum Gegenstand von Kontro­versen wird. Im Zentrum des Projekts steht die Frage nach der gesellschaftlichen Rele­vanz theoretischer Texte. Diese Frage soll von der Geschichte der Reihe als Buchreihe her gedacht und mittels der Rekonstruktion der Konzeption, Gestaltung, Produktion sowie Distribution der Reihe aus den Beständen des Verlagsarchivs analysiert werden. Das Vorhaben begreift diese Praktiken als Vermittlung und erschließt sie damit in ihren Implikationen für eine Theoretisierung des Verhältnisses von Theorie und Praxis. Die Perspektive auf deren Vermittlungsleistung, mithin die materielle, soziale und diskursive Organisation theoretischer Praxis, erlaubt es, dieses Verhältnis in zweifacher Hinsicht zu betrachten: Erstens wird das Verhältnis von Theorie und der Praxis, die ihr ihre (Buch-)Form gibt, untersucht. Zweitens wird gefragt, in welcher Weise diese Praxis und die von ihr hervorgebrachte Form die gesellschaftliche Wirksamkeit der Theorie mitbestimmen. Beide Betrachtungsweisen legen eine medienhistorische Dimension von Vermittlung nahe. Die bisher kaum untersuchte Materialität von Theorieproduktion wird damit zu einem bestimmenden Faktor in der Beantwortung der Forschungsfrage.

Biografie

Morten Paul, geboren 1987 in Dortmund, studierte Deutsche Literatur, Philosophie und Kulturwissenschaften an der Universität Konstanz, in Athen und am Goldsmiths College, University of London (2006-2011). Doktorand im Suhrkamp-Forschungskolleg und wissenschaftlicher Mitarbeit am Institut für Sprach- und Literaturwissenschaft der Univerität Konstanz (2012-2016), seit 2017 Verlagsassistent August Verlag Berlin.

Verwendete Archivbestände
Publikationen (Auswahl)

2012. Vor der Theorie. Jacob Taubes als Verlagsberater. In: Zeitschrift für Ideengeschichte VI/4 (2012), S. 29–34.

2013. Theorieproduktion als Vermittlungsproblem. Die Buchreihe ›Theorie‹ (1966-1986). In: Geschichte der Germanistik 43/44 (2013), S. 143–145.

2014. suhrkamp wissen. Anatomie einer gescheiterten Reihe. In: Zeitschrift für Ideengeschichte VIII/1 (2014), S. 118–126. (mit Tobias Amslinger, Marja-Christine Grüne, Anke Jaspers, Charlotte Weyrauch und Claudia Zilk)

2014. Distanzgesten. Ein Gespräch über das Zeitschriftenmachen mit Ulrich Raulff und Wolfert von Rahden. In: Grundlagenforschung 1 (2014), S. 64–87 (Online: http://1.grundlagenforschung.org/GF1_Rahden_Raulff.pdf) (mit Moritz Neuffer)

2015. Für den Gebrauch zubereitet. Die Theorie-Werkausgabe Georg Wilhelm Friedrich Hegel im Suhrkamp Verlag. In: Kodex. Internationale Buchwissenschaftliche Gesellschaft. Jahrbuch 5 (2015), S. 45–65.

2018. Ein kleines rotes Buch. Die Mao-Bibel und die Bücher-Revolution der Sechzigerjahre. Berlin: Matthes & Seitz 2018. (Herausgeberschaft mit Anke Jaspers und Claudia Michalski)

2018. Wegweiser und Waffe. Gebrauchsweisen eines Buchs. In: dies. (Hg.): Ein kleines rotes Buch. Die Mao-Bibel und die Bücher-Revolution der Sechzigerjahre. Berlin: Matthes & Seitz 2018, S. 7–64. (mit Anke Jaspers und Claudia Michalski)

2018. Editorial. In: IASL 43 (2018), Nr. 1, S. 90–107. (mit Tobias Amslinger, Katharina Einert, Anke Jaspers und Claudia Michalski)

2018. Theorieübersetzungen. Die frühen Bücher Jacques Derridas im Suhrkamp Verlag. In: IASL 43 (2018), Nr. 1., S. 198–234.

Marja-Christine Sprengel, geb. Grüne

Der Lektor und sein Autor. Vergleichende Fallstudien zum Suhrkamp Verlag.

Kurzbeschreibung

Literatur unterliegt einem Produktionsprozess, der bislang meist vor der Öffentlichkeit verborgen und von der Forschung unbeachtet bleibt. Marja-Christine Sprengel stellt mit ihrer Untersuchung nun die Bedeutung jener Personen in den Mittelpunkt, die in den Verlagshäusern maßgeblich für das Publizieren verantwortlich sind: die Lektoren. Auf Grundlage von bisher unveröffentlichtem Archivmaterial der Verlage Suhrkamp, Luchterhand und Piper untersucht sie in Einzelstudien die Strategien und Arbeitsweisen der Lektorate unter besonderer Berücksichtigung der Lektoratsarbeit von Elisabeth Borchers im Suhrkamp Verlag. Das Ergebnis zeigt, dass die Verleger die Arbeitsweise der Lektoren nicht explizit lenkten. Als wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche Zusammenarbeit stellt sich das persönliche Verhältnis zwischen Lektor und Autor heraus.
Auch wenn die Lektoratsarbeit in jedem der vorgestellten Verlage einen hohen Stellenwert hatte, so nahm Suhrkamp eine Sonderstellung ein. Hier prägte Cheflektorin Elisabeth Borchers mit ihren Ideen und ihrer Persönlichkeit maßgeblich das Verlagsprogramm in den Jahren von 1971 bis 1998. Ihre engagierte Betreuung von Autoren wie Max Frisch, Peter Weiss und Jurek Becker weist Sprengel an den untersuchten Archivalien nach und fordert damit eine Neudeutung der ‚Suhrkamp-Kultur‘: Das fruchtbare Umfeld für wichtige deutsche Autoren schuf Verleger Siegried Unseld nicht allein, sondern vor allem mithilfe seiner Lektoren.“

Biografie

Marja-Christine Sprengel (geb. Grüne), geboren 1986 in Göttingen, Studium der Mathematik und Germanistik an der Universität Stuttgart (2005-2010), Vorbereitungsdienst für die Laufbahn des höheren Schuldienstes an Gymnasien (2011-2012), Doktorandin im Suhrkamp-Forschungskolleg und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Literaturwissenschaft der Universität Stuttgart, Abteilung Neure Deutsche Literatur I (2012-2015), seit 2015 in einer Unternehmensberatung in Stuttgart tätig.

Verwendete Archivbestände
Publikationen (Auswahl)

2014. suhrkamp wissen. Anatomie einer gescheiterten Reihe. In: Zeitschrift für Ideengeschichte VIII/1 (2014), S. 118–126. (mit Tobias Amslinger, Anke Jaspers, Morten Paul, Charlotte Weyrauch und Claudia Zilk)

2015. Mythos und Magazin. Das Siegfried Unseld Archiv als literaturwissenschaftlicher Forschungsgegenstand. In: Irmgard M. Wirtz / Ulrich Weber / Magnus Wieland (Hg.): Literatur – Verlag – Archiv, Göttingen: Wallstein 2015, S. 185–215. (mit Tobias Amslinger und Anke Jaspers)

2016. Der Lektor und sein Autor. Vergleichende Fallstudien zum Suhrkamp Verlag. Wiesbaden: Harrassowitz 2016 (= Buchwissenschaftliche Beiträge 94).

Charlotte Weyrauch

Der Suhrkamp Theaterverlag in den 1960er und 70er Jahren

Kurzbeschreibung

Die Studie untersucht den Suhrkamp Theaterverlag in den 1960er und 70er Jahren. Anhand von Quellen aus dem bisher unerschlossenen Archivbestand des Theaterverlags wird dessen Position innerhalb des Verlagshauses Suhrkamp an der Schnittstelle unterschiedlicher medialer Formate analysiert. Ausgewählte Beispiele zeigen den Theaterverlag als Akteur in einem komplexen Gefüge zwischen Theaterereignis und Buch. Damit leistet die Arbeit zugleich auch einen methodischen Beitrag zu der Frage, wie Archive von Theaterverlagen wissenschaftlich erforscht werden können.

Biografie

Charlotte Weyrauch, geboren 1982 in Freiburg i. Br., studierte Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft und Theaterwissenschaft an der Freien Universität Berlin sowie an der Ecole normale supérieure Paris und der Université de Lausanne. Von 2013 bis 2016 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Eberhard Karls Universität Tübingen und Doktorandin im Suhrkamp-Forschungskolleg.

Publikationen (Auswahl)

2014. suhrkamp wissen. Anatomie einer gescheiterten Reihe. In: Zeitschrift für Ideengeschichte VIII/1 (2014), S. 118–126. (mit Tobias Amslinger, Marja-Christine Grüne, Anke Jaspers, Morten Paul und Claudia Zilk)

Beteiligte WissenschaftlerInnen am DLA

  • Prof. Dr. Dr. h.c. Ulrich Raulff, Direktor
  • Prof. Dr. Marcel Lepper, ehem. Leiter des Forschungsreferats und der Arbeitsstelle „Geschichte der Germanistik“, jetzt Akademie der Künste, Berlin
  • Dr. Jan Bürger, Leiter des Siegfried Unseld Archivs
  • Dr. Gunilla Eschenbach, Verlagsarchive
  • Dr. Anna Kinder, ehem. Forschungskoordinatorin des Suhrkamp-Forschungskollegs, jetzt: Kommissarische Leiterin des Forschungsreferats

Beteiligte BibliothekarInnen am DLA

Suhrkamp:
Petra Weiß (Koordination), Dr. Sabine Borchert, Isabell Dittrich, Andrea Fröhlich, Claudia Gratz, Anna Hallauer, Antonina Hipp, Iris Hoffmann, Martina Stecker

Insel:
Dietmar Schönfeld, Stefanie Keller

 

Universitäre Kollegpartner

  • Prof. Dr. Frauke Berndt, Eberhard Karls Universität Tübingen
  • Prof. Dr. Dorothee Kimmich, Eberhard Karls Universität Tübingen
  • Prof. Dr. Steffen Martus, Humboldt-Universität zu Berlin
  • Prof. Dr. Sandra Richter, Universität Stuttgart
  • Prof. Dr. Bernd Stiegler, Universität Konstanz
  • Prof. Dr. Liliane Weissberg, University of Pennsylvania, Philadelphia
  • Prof. Dr. Gesine Müller, Universität zu Köln (Kooptation)

Mitglieder des Wissenschaftlichen Beirats des Suhrkamp-Forschungskollegs

  • Prof. Dr. Michael Brenner, Lehrstuhl für jüdische Geschichte und Kultur, Universität München
  • Raimund Fellinger, Suhrkamp Verlag, Berlin
  • Prof. Dr. Stephan Füssel, Institut für Buchwissenschaft, Universität Mainz
  • Prof. Dr. Axel Honneth, Institut für Philosophie Universität Frankfurt und Direktor des Instituts für Sozialforschung, Frankfurt am Main
  • Prof. Dr. Paul Michael Lützeler, Department of Germanic Languages and Literatures und Max Kade Center for Contemporary German Literature, Washington University, St. Louis
  • PD Dr. Irmgard Wirtz Eybl, Direktorin des Schweizerischen Literaturarchivs, Bern
  • Prof. Dr. Ulrich Johannes Schneider, Direktor der Universitätsbibliothek Leipzig